Herbsttörn, die Erste

Diesmal bin ich schnell. Am 20. Oktober, um kurz vor zehn, komme ich in Wackerballig vollbepackt mit Gepäck und Lebensmitteln an. Eine nette Frau hat mich vom Einkaufen in Gelting nach Wackerballig gefahren, nachdem ich erfahren habe, dass ich auf ein Taxi mehr als eine Stunde hätte warten müssen. Und dann, nachdem alles verstaut ist, mache ich schon um kurz nach elf die Leinen los und verlasse Wackerballig.

Noch ist schönes Wetter, ca. 4 Bft aus westlicher Richtung, und ab und zu kommt sogar die Sonne durch. Ich spiele mit dem Gedanken einen langen Schlag die deutsche Küste entlang zu unternehmen, vielleicht sogar die Nacht durchzusegeln. Fehmarn, Darß, Rügen kommen mir als Ziele in den Sinn. Als ich Kalkgrund umrundet habe, geht es raumschots im Höllentempo die Küste entlang. Unter Vollzeug müht sich mein Autopilot Helmut ab den Kurs zu halten, schafft es jedoch kaum beim herabrauschen der Wellen schnell genug Gegenruder zu geben und den Sonnenschuss zu vermeiden. Aber Spaß macht es! So unter Vollzeug die Welle runter, sehe ich auf der Logge zum ersten Mal die Acht vor dem Komma. Doch dann – Zack! – in einem unachtsamen Moment: Patenthalse mit ausgerissenem Großschotbeschlag am Baum. Och nö… dieser alte Hut schon wieder? Also gut, Motor an, Vorsegel weg, Schot erneut befestigen, kurz durchatmen und weiter geht’s. Jetzt aber erst einmal nur mit zweifach gerefftem Groß. Bringt trotzdem noch fünf Knoten, lässt sich aber für Helmut viel leichter steuern.

Leider merke ich immer mehr, dass ich Seekrank werde. Das ganze Geschaukel bei diesem Kurs auf der recht ansehnlichen Ostseewelle und vielleicht auch die fehlende Eingewöhnungszeit an Bord? Jedenfalls fühle ich mich nicht fit genug um die Nacht durch in ein mir unbekanntes Seegebiet zu segeln. Also entscheide ich mich, für die Nacht in einen Hafen zu gehen und am nächsten ist Bagenkop, an der Südspitze von Langeland in Dänemark. Nachdem ich mir zwischendurch mein Mittagessen noch einmal nach Lee durch den Kopf habe gehen lassen, mache ich um kurz nach acht bei Dunkelheit und Regen in Bagenkop fest. Im dunkeln in einen unbekannten Hafen einzulaufen ist immer aufregend, aber es läuft alles glatt und es wurden keine neuen, nicht auf der Karte eingezeichneten Molen gesichtet.

Morgen geht’s nach Fehmarn, wo eine Freundin aus Tamera zu Besuch an Bord kommt. Ich freue mich!

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